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Mit intelligenten Mobilitätslösungen werden emissionsfreie Städte Realität

22. September, 2021
VON The Explorer
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Paxster

Ehrgeizige Strategien und ein lebendiges Ökosystem für intelligente Mobilitätslösungen haben Norwegen einen Vorsprung bei der Elektrifizierung verschafft.

Immer wieder kommt dieselbe Frage: „Wie hat Norwegen das gemacht?“ Gäbe es in der Welt der städtischen Verkehrsplanung Prominente, Sture Portvik würde wohl zu den A-Promis gehören. Als Leiter der Elektromobilität- Initiative der Stadt Oslo wird er immer wieder von Medien und Stadtplanern kontaktiert, die wissen wollen, wie Oslo die Elektrifizierung des Verkehrssektors vorantreibt.

Ein Journalist von Le Monde drückte es einmal so aus: „Überall sonst auf der Welt begegnen uns Elektroautos hauptsächlich in Form von Pilotprojekten. In Oslo ist E-Mobilität alltägliche Realität.“

Tatsächlich sind drei von vier in Oslo verkauften neuen Pkw Elektroautos. Und auch der öffentliche Verkehr wird mehr und mehr elektrisch. Bis Ende 2021 werden rund 40 Prozent aller Busse in Oslo Elektrobusse sein.

Wie hat die norwegische Hauptstadt diesen hohen Stand an E-Mobilität erreicht?

Intelligente Mobilitätslösungen sind mehr als Elektrofahrzeuge

Ein Teil der Antwort liegt in der Politik. Mit einem umfangreichen Paket an Subventionen ermutigt die norwegische Regierung seit zwei Jahrzehnten zum Kauf von Elektrofahrzeugen. Nirgendwo sonst auf der Welt ist es so günstig und vorteilhaft, ein Elektroauto zu kaufen und zu besitzen. Dazu bieten Oslo und andere norwegische Städte weitere Vergünstigungen für Elektroautos, z.B. die Befreiung von Mautzahlungen, kostenloses oder subventioniertes Parken oder die Erlaubnis zur Nutzung der Busspur.

Sture Portvik erklärt, es sei es einfach, die Menschen zum Kauf von Elektrofahrzeugen zu bewegen. Schwieriger gestalte sich der Ausbau der Infrastruktur. „Wirklich Kopfschmerzen bereitet der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Die Elektrifizierung des Verkehrs erfordert die Zusammenlegung zweier Sektoren, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben: Verkehr und Stromnetz. Die Bereitstellung von Ladestationen für die gesamte Auto- und Busflotte ist sehr viel anspruchsvoller als der Aufbau eines Tankstellen-Netzes”.

So profitiert Norwegen von einem lebendigen und innovativen Ökosystem für intelligente Verkehrssysteme.

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Sture Portvik

Stadt Oslo

„In Oslo und Norwegen gibt es viele hoch qualifizierte, innovative Unternehmen für intelligente Mobilität, die Lösungen anbieten, die wir für den Ausbau der Infrastruktur für Elektrofahrzeuge brauchen.“

Dies gelte sowohl für Hardware- als auch für Softwarelösungen. „Allein bei der Ladeinfrastruktur haben wir Unternehmen wie Zaptec, Mer, BKK und Recharge. Es gibt viel Fachwissen darüber, wie KI und intelligentes Energiemanagement eingesetzt werden können, um die Effizienz der Ladesysteme zu verbessern. Unternehmen wie Tibber und Flexibility sind hier führend. Auch das gesamte Ökosystem der intelligenten Mobilität rund um das StartupLab hier in Oslo ist wirklich beeindruckend”, so Portvik.

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Jana Mennig
Senior Advisor, Innovation Norway

Die letzte Meile mit Elektrofahrzeugen

In der Welt des Warentransports setzt das norwegische Mobilitätsunternehmen Paxster Maßstäbe. Die kleinen Ein-Personen-Elektrofahrzeuge wurden für die norwegische Post entwickelt. Mittlerweile tummeln sich die Eco-Flitzer in ganz Norwegen und liefern nicht nur Briefe und Pakete, sondern auch Essensbestellungen aus.

„60 Prozent der Transportressourcen für ein bestimmtes Produkt fließen in die Zustellung auf der letzten Meile, also in die letzte Strecke vom Geschäft oder Depot zum Lieferort“, erklärt Arild Brudeli, Leiter System and Innovation bei Paxster.

„Beim Energieverbrauch ist ein Paxster in manchen Fällen mehr als 20-mal effizienter als ein Standard-Lieferfahrzeug, und natürlich viel umweltfreundlicher,“ so Brudeli.

Das elektrische Lieferfahrzeug Paxster wurde erstmals auf Anfrage der norwegischen Post entwickelt, um die Effizienz des Postversands zu steigern und Emissionen zu senken. In beiden Bereichen hat Paxster die Erwartungen voll erfüllt.

„Da ein Paxster kleiner und wendiger ist, kann er die Anzahl der Paketzustellungen pro Tag gegenüber einem Van mit Dieselantrieb fast verdoppeln“, so Brudeli.

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Arild Brudeli

Paxster

„Das heißt nicht, dass Transporter oder große Lieferwagen der Vergangenheit angehören. Doch die Idee hinter Paxster ist, sicherzustellen, dass für den jeweiligen Job das richtige Fahrzeug verwendet wird. Und kleinere, speziell für diesen Zweck entwickelte Elektrofahrzeuge sind nun einmal überlegen, wenn es um die Zustellung von kleineren Paketen in der Stadt auf der letzten Meile geht.“

Brudeli hat auch die enormen Umweltauswirkungen des schnellen Wachstums im E-Commerce im Blick.

„Zwischen 2014 und 2020 hat sich der globale E-Commerce fast vervierfacht, und das war vor der Pandemie. Dieses Wachstum war jedoch alles andere als grün, denn transportiert wurde auf Basis fossiler Brennstoffe. Wir müssen Lösungen finden, um den Fußabdruck von Lieferungen auf der letzten Meile zu verringern.“

Diese letzte Meile legt das elektrische Lieferfahrzeug Paxster jetzt auf der ganzen Welt zurück.

„Wir hatten gerade unser erstes Projekt mit der norwegischen Post abgeschlossen, als wir einen Anruf von der neuseeländischen Post bekamen. Mittlerweile sind wir in allen Teilen der Welt präsent und arbeiten sowohl mit Lieferfirmen als auch mit Kommunalbehörden in Städten wie London, Berlin und Madrid zusammen.“

Gesündere Städte durch Elektrifizierung

Die Klimakrise ist der Grund für die Elektrifizierung der Städte, aber auch die Stadtbewohner profitieren deutlich und unmittelbar davon.

„Zwischen 2009 und 2019 konnte Oslo den CO2-Ausstoß im Verkehrssektor um 20 Prozent reduzieren. Mit dem steigenden Einsatz von Elektrobussen und elektrisch betriebenen Lieferfahrzeugen sinken die Emissionen weiter. Dazu kommen erhebliche Einsparungen von fast 30 Prozent an Luftschadstoffen wie Stickstoffdioxiden, Schwefeloxiden und Feinstaub“, erläutert Sture Portvik. Auch ein stadtweites Projekt, das alte Holzöfen ersetzt, hat dazu beigetragen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind mehr als 80 Prozent der in städtischen Gebieten lebenden Menschen potenziell schädlichen Mengen solcher Schadstoffe ausgesetzt. Dies erhöht das Auftreten von Schlaganfall, Herzerkrankungen, Lungenkrebs sowie chronischen und akuten Atemwegserkrankungen. Einer Studie des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) zufolge verursacht die Luftverschmutzung in Städten jedes Jahr 3,4 Millionen vorzeitige Todesfälle.

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Eine gute Ladeinfrastruktur ist für eine elektrifizierte Stadt unerlässlich.

Obwohl dies allein Grund genug für die Städte wäre, ihre Elektrifizierungsbemühungen zu verdoppeln, sieht Arild Brudeli von Paxster noch eine Vielzahl anderer Verbesserungen für die Lebensqualität in Städten durch die Elektrifizierung des Verkehrs.

Paxster ist mit dem norwegischen Institut für Verkehrsökonomie an einem Projekt beteiligt, das den Einfluss verschiedener Fahrzeugtypen auf das Wohlbefinden von Fußgängern in der Innenstadt untersucht.

„Fahrzeuge sind überall in der Stadt, und jede einzelne Bewohnerin und jeder einzelne Bewohner interagiert den ganzen Tag über auf die eine oder andere Weise mit ihnen. Wie diese Fahrzeuge aussehen, klingen und sich verhalten hat einen erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen. Leisere, kleinere und intelligentere Fahrzeuge tun den Stadtbewohner zweifellos gut“, so Arild Brudeli.

ITS World Congress: Die weltweit größte Veranstaltung für intelligente Mobilität

Der ITS-Weltkongress findet vom 11. bis 15. Oktober 2021 in Hamburg statt. Der Kongress ist die weltweit größte Veranstaltung für intelligente Mobilitätslösungen und Digitalisierung des Verkehrs. Rund 15.000 Besucher, Unternehmensvertreter und Interessengruppen aus der Industrie werden erwartet.

Das Programm umfasst Live-Events mit ITS-Branchenexperten sowie eine Ausstellung und Demonstrationen von Spitzentechnologie aus der Welt der intelligenten, nachhaltigen Mobilität.

Hier finden Sie die norwegischen Teilnehmer: ITS World Congress 2021: Meet the Norwegian participants - The Explorer

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Jana Mennig
Senior Advisor, Innovation Norway