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Innovative Ladelösungen aus dem Land der E-Mobilität

23. Juni, 2021
VON The Explorer
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Marthe Thu/Zaptec AS

Ehrgeizige Ziele, wirkungsvolle Politik und herausragende Innovationen haben in Norwegen zu einer schnellen Elektrifizierung aller großen und kleinen Verkehrsträger geführt. Und diese Fahrzeuge müssen nun alle aufgeladen werden.

Der Transportsektor wird zunehmend elektrisch. Die Suche nach praktischen, zuverlässigen und kostengünstigen Lademöglichkeiten für Fahrzeuge jeder Größe ist daher ein Schwerpunkt bei der Entwicklung innovativer Lösungen für den emissionsfreien Verkehr. Nirgendwo ist dieser Trend deutlicher ausgeprägt als in Norwegen, das den höchsten Bestand an Elektroautos pro 1.000 Einwohner weltweit aufweist.

Die Elektroauto-Hauptstadt der Welt

Im April 2021 waren fast 55 Prozent der Neuwagenverkäufe in Norwegen Elektrofahrzeuge. Damit liegt Norwegen mit deutlichem Abstand an der Spitze der weltweiten Rangliste. Auf den norwegischen Straßen wimmelt es buchstäblich von elektrischen Limousinen, SUVs und Sportwagen.

Mit seinem enormen Marktanteil an Elektrofahrzeugen bietet sich Norwegen als ideale Testregion für innovative Ladeinfrastruktur an. Die grundlegenden Erkenntnisse solcher Tests überraschen nicht: Die Menschen wollen Bequemlichkeit.

„Niemand möchte im Einkaufszentrum oder in der Stadt anhalten und laden, wenn es sich vermeiden lässt“, sagt Fredrik Lima, Vizepräsident Europa bei Zaptec AS, einem führenden norwegischen Anbieter von Ladelösungen für Elektroautos.

Mit den intuitiven und effizienten Ladegeräten von Zaptec können Fahrzeuge am Zielort aufgeladen werden. Die Zaptec-Stationen können zu Hause oder im Büro genutzt werden, als Einzelgerät oder auch in großen Systemen, die Hunderte von Ladegeräten für Mehrfamilienhäuser und Firmenflotten miteinander verbinden.

„Doch die meisten Menschen, zumindest in Norwegen, ziehen es vor, zu Hause aufzuladen, weil es billiger und bequemer ist“, sagt Lima.

Die Ladestationen von Zaptec sind mit einer intelligenten Technologie ausgestattet, die die Ladegeschwindigkeit an die verfügbare Strommenge anpasst. Dies schützt vor einer Überlastung des Stromnetzes und bringt Einsparungen für Anwenderinnen und Anwender.

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Fredrik Lima

Vizepräsident Europa

Zaptec

„Der Schlüssel zur Kosteneinsparung liegt in der Verlagerung der Ladezeiten von teuren Spitzenzeiten auf günstigere Zeiten mit geringerer Nachfrage, normalerweise in der Nacht.“

In den meisten norwegischen Häusern sei mehr als genug Strom vorhanden, erklärt Lima. „Ein durchschnittliches Einfamilienhaus hat ausreichend Strom, um über einen Zeitraum von 24 Stunden bis zu 27 Autos mit durchschnittlichem Verbrauch aufzuladen.“

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Marthe Thu/Zaptec AS

Vollelektrische Fähren bis 2025

Norwegen ist eine maritime Nation und hat die zweitlängsten Küste der Welt. Viele Menschen träumen davon, diese Küste zu erkunden – für viele Einheimische, vor allem für Pendler, gehört das Überqueren der Fjorde jedoch zum Alltag.

„Norwegen hat viele Fjorde. Das bedeutet sehr viele Fährüberfahrten“, erklärt Geir Arne Bjørkelund, Verkaufsleiter von Zinus AS.

Tatsächlich werden in Norwegen über 130 Fährstrecken von rund 200 Auto- und Passagierfähren sowie High-Speed-Schiffen bedient. Zwar ist die Aussicht bei so einer Fjordüberfahrt oft atemberaubend, der ständige Betrieb der mit fossilen Brennstoffen betriebenen Fähren und anderer Wasserfahrzeuge hat aber auch seinen Preis.

„Ich lebe an der norwegischen Westküste in der Nähe von Bergen. Hier hatten wir schon immer Probleme mit der Verschmutzung durch Schiffe. Dazu kommen noch die Klimafolgen“, so Bjørkelund.

2019 kündigte die norwegische Regierung ein Null-Emissionen-Ziel bis 2025 für Fähren an. Heute sind bereits 30 rein elektrische Fähren in Betrieb, und diese Zahl soll sich bis Ende 2021 verdoppeln. Wie bei den Elektroautos hat dieser ehrgeizige Vorstoß nun auch zu einem positiven Entwicklungsklima für Innovationen im Bereich maritime Ladelösungen geführt, wie z.B. für Zinus.

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Geir Arne Bjørkelund

Sales Manager

Zinus

„Unsere Lösung verwendet einen vollelektronischen Ladeturm und eine Onboard-Empfangseinheit. Einmal installiert, muss man nur noch einen Knopf drücken, und die Geräte verbinden sich vollautomatisch in nur 20 Sekunden.”

Da Fähren oft in geschäftigen Häfen mit begrenztem Platzangebot verkehren, konzentriert sich Zinus auf Lösungen, die maximale Flexibilität garantieren. Zum Beispiel lassen sich die Ladesäulen um bis zu 180 Grad drehen, und der Anschluss passt sich einem Gezeitenhub von bis zu 7,5 Metern an.

Bei Zinus steht aber nicht nur die Entwicklung der intelligenten Technik im Fokus. Da sich Häfen mehr und mehr auch zu öffentlich zugänglichen Geländen entwickeln, legt das Unternehmen auch Wert auf das Design seiner Ladegeräte. Außerdem seien die Systeme vollständig recyclebar, erläutert Geir Arne Bjørkelund.

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Die automatische Teleskop-Ladelösung von Zinus wurde bereits in Buitenhuizen, Niederlande installiert.

Zinus AS

Smarte Lösungen für das E-Scooter-Chaos

So sehr die großflächige Elektrifizierung des Verkehrs insgesamt auch geschätzt wird, es gibt Bereiche, wo elektrische Fortbewegungsmittel nicht nur Beifall finden. Wohl kein Verkehrsmittel ist so umstritten wie der kleine E-Scooter, der heute überall auf der Welt in den Städten zu finden ist.

Wie kann verhindert werden, dass dieser eigentlich perfekte Förderer flexibler Mikromobilität zum Hindernis auf Gehwegen und zum Schandfleck der Städte wird? Ein norwegisches Startup hat vielleicht die Antwort.

„Das Problem ist vor allem die Organisation“, erklärt Frode Gundersen, Projektmanager für Business Development Mobility bei Wireless Power & Communication (WPC). WPC, spezialisiert auf induktives Laden und Datenkommunikation, ist aufgrund des Übertragungseffektes und der kompakten Größe seiner Lademodule weltweit führend.

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Frode Gundersen

Project Manager

Business Development Mobility, WPC

„Wir glauben, das Problem kann gelöst werden, wenn es für Nutzerinnen und Nutzer Anreize gibt, die Roller in ausgewiesenen Bereichen abzustellen.“

Auf dieser Idee beruht die Lösung von WPC. Gemeinsam mit dem Unternehmen Blue Logic hat WPC das „MobiDock eScooter Easy Charge“-System entwickelt. Dieses System ist eine komplette Parklösung für E-Scooter und nutzt kabellose induktive Ladegeräte und eine komplett loT-Cloud-basierte Plattform.

„Wenn man über die App des Betreibers einen E-Scooter mietet, zahlt man eine Kaution“, erklärt Gundersen. „Unsere Cloud-basierte Lösung ermöglicht es dem Betreiber, die Fahrt automatisch zu beenden, sobald der Roller auf einem ausgewiesenen Parkplatz zurückgegeben wird. Die Kaution wird dann zurückerstattet.“

Frode Gundersen lobt den beispiellosen Komfort, den E-Scooter im Bereich Mikromobilität bieten. Der Projektmanager ist zuversichtlich, dass, sobald WPC seine Lösung in ausgewählten norwegischen Städten erfolgreich implementiert hat, die anfänglich chaotischen Zustände bei der Einführung der E-Scooter schnell der Vergangenheit angehören werden. „Wir glauben, dass unser Produkt diese Probleme sehr gut wie lösen wird.“

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Das MobiDock eScooter Easy Charge-System wurde von den norwegischen Unternehmen WPC und Blue Logic entwickelt.

Alles aufladen – klein, mittel und groß

Anbieter von E-Mobilitätslösungen wie Zinus, Zaptec und WPC sind sich darin einig, dass ihnen das besondere norwegische Umfeld einen Wettbewerbsvorsprung verschafft hat – jetzt, da auch andere Länder mit der Elektrifizierung des Verkehrs beginnen. Die norwegischen Unternehmen sind gut gerüstet, ihre Lösungen in die Welt zu tragen.

„Norwegen war die perfekte Testregion für unsere Technologie, und wir werden hier auch in Zukunft sehr aktiv sein, wenn in den nächsten Jahren die norwegischen Fähren auf Stromantrieb umgestellt werden“, sagt Geir Arne Bjørkelund. Auch in den Niederlanden und in Portugal hat sich Zinus bereits Verträge gesichert.

Auch Zaptec expandiert über die nordischen Länder hinaus und zielt nun auf größere europäische Märkte wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien. „Hier können wir unsere Technologie und die Erfahrungen aus Norwegen einbringen“, so Fredrik Lima.

Während Norwegen eine ausgezeichnete Testregion bleiben wird, ist Frode Gundersen zuversichtlich, dass die Lösung von WPC die Herausforderungen der Mikromobilität nun auch anderswo meistern wird.

„Es herrscht weltweit kein Mangel an Menschen, die nach einer Lösung für diese Probleme suchen.“

ITS World Congress: Das weltweit größte Smart-Mobility-Event

Auf dem ITS World Congress, der im Oktober 2021 in Hamburg stattfindet, werden viele Aspekte der E-Mobilität beleuchtet. Der Kongress ist die weltweit größte Veranstaltung rund um intelligente Mobilitätslösungen und die Digitalisierung des Verkehrs. 15.000 Besucher, Unternehmensvertreter und Branchenakteure werden erwartet.

Der Kongress bietet Live-Sessions mit ITS-Branchenexperten und umfasst Ausstellungen und Demonstrationen von Spitzentechnologien in der Welt der intelligenten, nachhaltigen Mobilität.

Möchten Sie mehr über emissionsfreie Städte erfahren? Lesen Sie diese Artikel über Wassertransport und urbane Mobilitätslösungen.

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Jana Mennig
Senior Advisor, Innovation Norway