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Saubere öffentliche Verkehrsmittel auf dem Wasser: Das nächste große Thema für intelligente Mobilität?

25. März, 2021
VON The Explorer

Hydrolift Smart City Fähren

Fast alle großen Städte haben ein Verkehrsproblem – Straßen sind verstopft und Bahnen überfüllt. Diese norwegischen Unternehmen haben eine neue Lösung für den öffentlichen Nahverkehr gefunden: emissionsfreie autonome Fähren, die die Menschen über Wasserstraßen transportieren.

„Wenn wir unser Konzept städtischen Behörden auf der ganzen Welt vorstellen, fällt meist diese eine Bemerkung: ,Warum haben wir daran nicht schon früher gedacht?’“

Erik Dyrkoren, CEO, Zeabuz

Erik Dyrkoren ist CEO von Zeabuz, einem norwegischen Unternehmen, das emissionsfreie autonome Fähren für den öffentlichen Verkehr in Städten entwickelt. Er ist überzeugt, dass es eine sehr offensichtliche, aber bisher unerschlossene Lösung für viele Probleme des städtischen Verkehrs gibt.

„Der Transport von Menschen auf der Straße – und insbesondere der Autoverkehr – ist in Bezug auf die Fläche, die er einnimmt, sehr ineffizient. Fast jede Stadt der Welt hat mit Überlastung zu kämpfen. Dieses Problem lässt sich nicht mit dem Bau größerer Straßen lösen, und der Bau von Infrastruktur für U-Bahnen und Straßenbahnen ist teuer. Das bedeutet, der Straßenverkehr stößt an seine Grenzen. Wasserstraßen dagegen werden innerstädtisch kaum für den Transport genutzt.“

Genau das wollen Zeabuz und andere innovative norwegische Unternehmen ändern. Ihre Vision: eine Flotte elektrischer, völlig autonomer Fähren auf den vielen städtischen Wasserstraßen der Welt.

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Jana Mennig
Senior Advisor, Innovation Norway

Der emissionsfreie öffentliche Verkehr auf dem Wasser senkt Kosten und spart Zeit

„Wir sollten Wasserstraßen zur einfachen Fortbewegung nutzen, und sie nicht als teures Hindernis betrachten“, sagt Ketil Solvik-Olsen, CEO von Hydrolift Smart City Ferries. Wie Zeabuz entwickelt auch dieses Unternehmen emissionsfreie autonome Fähren für den öffentlichen Verkehr.

„Fähren werden in der Regel für jeden Kunden individuell und maßgeschneidert entwickelt und gebaut. Das macht sie zu einer kostspieligen Investition. Unser Ziel ist es, kleine und effiziente emissionsfreie Fähren herzustellen, die mehr oder weniger serienmäßig produziert werden. Wir stehen mit unserer Entwicklung kurz vor dem Punkt, wo kleine elektrische und selbstfahrende Fähren technologisch und finanziell rentabel werden. Um die Kosten zu senken, muss die Produktion im industriellen Maßstab erfolgen. Dabei hilft uns unsere Erfahrung im Bootsbau. Durch den Einsatz von Technologie und Automatisierung können wir die Zahl der Mitarbeiter pro Kunde reduzieren und den Fährbetrieb so erheblich billiger machen. Immer mehr Städte können dann ihre Wasserstraßen als Transportwege nutzen“, erläutert der CEO.

„Wenn der Verkehr auf Wasserstraßen für die Bewohner einer Stadt einfach zu nutzen ist, werden sie keine Sekunde zögern, dieses Angebot anzunehmen.“

Ketil Solvik-Olsen, CEO von Hydrolift Smart City Ferries

Hydrolift verspricht eine integrierte, emissionsfreie Fährlösung, einschließlich intelligenter Lademöglichkeiten am Hafen. Der Grad des autonomen Betriebes und der Integration in Smart-City-Systeme kann an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden. Im einfachsten Fall bieten diese kleinen Fähren eine Alternative zu Brücken, indem sie über einen Fluss oder Kanal hin- und herfahren. Damit verkürzen sie die Zeit, die Fußgänger in einer Stadt benötigen, um von A nach B zu kommen, erheblich. Allein das bringt Vorteile. Aber Wasserstraßen böten noch viel mehr Potenzial.

„Wenn Sie beispielsweise ein neues Wohngebiet außerhalb des Stadtzentrums entwickeln, müssen Sie wahrscheinlich neue Straßen und Wege bauen oder zumindest die vorhandene Infrastruktur verbessern. Mit zunehmendem Fokus auf nachhaltigen Verkehr werden beispielsweise Radwege zu einer Selbstverständlichkeit. Dies sind teure Projekte. Wenn Sie stattdessen jedoch gute, nachhaltige Mobilitätslösungen auf nahe gelegenen Wasserstraßen anbieten können, lassen sich die Kosten erheblich senken und gleichzeitig die Flexibilität und die Transportmöglichkeiten verbessern.“

Abgesehen von den Behörden gibt es eine weitere Gruppe, die Solvik-Olsen überzeugen muss, um beim nachhaltigem Nahverkehr auf dem Wasser mit an Bord zu kommen: die Stadtbewohner selbst.

„Die Menschen neigen dazu, sich schnell das beste und praktischste Transportmittel auszusuchen. Bisher haben Autos den Menschen die Flexibilität und Verfügbarkeit gegeben, die sie wollten. Wenn Sie den Menschen jedoch die gleiche Flexibilität und Verfügbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln bieten, werden die meisten diese komfortablere Variante nutzen. Genau das haben wir im letzten Jahr in Norwegen erlebt, als der Einsatz von mietbaren Elektrorollern in norwegischen Städten explodierte.“

Hydrolift Smart City Ferries baut gegenwärtig die ersten Prototypen der elektrischen autonomen Fähren. Dabei verfolgt das Unternehmen einen schrittweisen Ansatz. „Wir werden die Fährindustrie nicht über Nacht revolutionieren, aber wir verfügen über bedeutendes technologisches und industrielles Know-how und haben eine klare Vorstellung davon, wohin die Reise geht“, so Solvik-Olsen.

Das Ausmaß an Autonomie werde sich von Einsatzland zu Einsatzland unterscheiden. Zunächst würden die Fähren noch mit einem Kapitän an Bord starten. Der Anteil der Autonomie soll schrittweise erhöht werden, je nach Kundenwunsch, rechtlichen Vorgaben und der Akzeptanz der Bevölkerung. Die ersten Fähren würden lediglich stark automatisiert sein, noch nicht autonom. Aber innerhalb von sieben bis acht Jahren, davon ist Solvik-Olsen überzeugt, wird eine Flotte voll autonomer Schiffe kommerziell unterwegs sein.

Zeabuz-Fähren verbinden sich automatisch mit der Ladestation.

Autonome Fähren auf Knopfdruck rufen

Das Ziel von Zeabuz ist es, den Transport auf dem Wasser einfach, effizient und nachhaltig zu gestalten. Der Nahverkehr auf dem Wasser soll eine Ergänzung zur bestehenden Infrastruktur werden, vor allem für Fußgänger und Radfahrer.

„Mit unserer Lösung können Passagiere die Fähre per Knopfdruck rufen, als wäre es ein Aufzug. In der ersten Phase werden die Fähren zwischen zwei festen Stopps an gegenüberliegenden Flussufern verkehren. Langfristig aber können sie sehr flexibel eingesetzt werden“, erklärt Erik Dyrkoren.

Die Zeabuz-Lösung umfasst auch Docking- und Lademöglichkeiten. Die Docking-Stationen sollen so klein und unaufdringlich wie möglich gestaltet sein. Das Mantra lautet: Die Installation muss für die Kunden einfach sein und darf nur wenig zusätzliche Infrastruktur erfordern.

An den Anlegestellen werden Zeabuz-Fähren automatisch mit der Ladestation verbunden. „Mit kurzen automatischen Ladevorgängen stellen wir sicher, dass die Fähren lange und ohne Unterbrechungen in Betrieb sein können.“

In Bezug auf die Benutzerakzeptanz stimmt Zeabuz-Chef Dyrkoren seinem Mitstreiter Solvik-Olsen zu. Für ihn ist aber noch ein weiterer Aspekt wichtig: die Ästhetik. „Wir sollten die Rolle der Ästhetik nicht unterschätzen“, warnt Dyrkoren. „Wenn die Fähren sperrig oder veraltet aussehen, könnten sich die Leute von der Idee abwenden. Aus diesem Grund haben wir viele Ressourcen in das Design unserer Produkte investiert.“

Der zweite Prototyp von Zeabuz, der an der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie NTNU gebaut wird, soll während des Einführungsphase als Testplattform genutzt werden. Die Fähre wird im Frühjahr 2021 in einem Pilotprojekt in der Stadt Trondheim in Betrieb genommen.

„Dies wird das erste Projekt dieser Art sein – weltweit! Wir freuen uns darauf, die verschiedenen Aspekte unseres Konzeptes zu testen. Und wir stehen ständig im Dialog mit anderen Städten, um weitere Pilotprojekte einzurichten”, erklärt Dyrkoren.

„Obwohl diese Projekte immer noch in der einen oder anderen Form von Menschen überwacht werden müssen, arbeiten wir auf ein System hin, das völlig autonom funktioniert. Hier liegt der eigentliche Durchbruch: Wir entwickeln einen digitalen, zertifizierbaren Fährkapitän.“

Der „Weiße Schwan“ von Hydrolift Smart City Ferries

ITS World Congress: Die weltweit größte Veranstaltung für intelligente Mobilität

Die norwegischen Unternehmen Zeabuz und Hydrolift Smart City nehmen im Oktober 2021 am ITS-Weltkongress in Hamburg teil. Der Kongress ist die weltweit größte Veranstaltung für intelligente Mobilitätslösungen und Digitalisierung des Verkehrs. Rund 15.000 Besucher, Unternehmensvertreter und Interessengruppen aus der Industrie werden erwartet.

Der Kongress umfasst Live-Termine mit ITS-Branchenexperten sowie Ausstellungen und Demonstrationen modernster Technologie.

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Jana Mennig
Senior Advisor, Innovation Norway