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Wie Norwegen nachhaltigen Tourismus fördert

12. Juni, 2019
VON The Explorer

Besuchen Sie den Lyngenfjord/Anna Ribelova

Norwegen ist geprägt durch große landschaftliche Schönheit mit unberührten Wäldern und Bergketten sowie klaren Fjorden. Lebensstil und Kultur in Norwegen sind untrennbar mit der Natur verbunden. Eine Wandertour am Sonntag gehört einfach dazu – und je nach Jahreszeit widmen sich die Norweger einer Vielzahl von Outdoor-Aktivitäten: Angeln, Schwimmen und Segeln im Sommer, Beeren pflücken und Elchjagd im Herbst, Langlauf- und Abfahrtski im Winter. Und im Frühling locken die ersten Wildblumen die Naturfreunde ins Grüne …

Die Verantwortung für die ursprüngliche Natur wird in Norwegen von einer Generation an die nächste weitergegeben. Neu hinzugekommen sind ein wachsendes Bewusstsein für den Einfluss menschlichen Handelns auf die Natur und ein zunehmendes Engagement für den Erhalt der Umwelt für das Allgemeinwohl.

Das ist auch dringend nötig. Denn der Tourismus trägt mit einem Anteil von rund 4,2 Prozent am BIP wesentlich zur Wirtschaftsleistung Norwegens bei. Die Branche verzeichnet seit Jahren ein kontinuierliches, starkes Wachstum; 10 Prozent aller neuen Arbeitsplätze sind mit dem Tourismus verknüpft.

Erhebliche negative ökologische und soziale Auswirkungen des Tourismus sind also auch in Norwegen nicht auszuschließen. Der Zustrom von Touristen bietet zwar zahlreiche Möglichkeiten für die regionale Wertschöpfung und Beschäftigung, birgt aber auch das Risiko erhöhter Emissionen, Landschaftsschäden und Beeinträchtigungen lokaler Strukturen.

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Zukunftsweisend nachhaltigen Tourismus entwickeln

Die norwegische Tourismusindustrie möchte dennoch wachsen und vermarktet Norwegenreisen als „Erfahrungen nördlich des Normalen“. Gleichzeitig hat sie aber den Schutz der Umwelt und des kulturellen Erbes als wichtige Aufgabe erkannt.

Um diese Bemühungen voranzutreiben, hat Innovation Norway 2013 ein Zertifizierungssystem für nachhaltige Tourismusziele eingeführt.

Das Zertifikat "Sustainable Destination" wird an Reiseziele in Norwegen vergeben, denen es gelingt, die negativen Auswirkungen des Tourismus systematisch zu reduzieren. Das Zertifizierungssystem soll so positive Anreize zur nachhaltigen Entwicklung des Tourismus setzen – inklusive der Schaffung von Arbeitsplätzen sowie der Förderung der lokalen Kultur und regionaler Produkte.

Damit Destinationen zertifiziert werden können, müssen sie ihre wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit nachweisen. Dazu gehört es, die Natur und Kultur der Region zu erhalten und ihre typischen sozialen und politischen Werte zu stärken. Wirtschaftliche Eigenständigkeit und regelmäßiges Monitoring sind dafür Voraussetzung.

Bevor eine Reisedestination eine Erstzertifizierung erhält, vergehen zwei Jahre. Nach der Zertifizierung muss sie nachhaltig weiterentwickelt werden. Im Fokus stehen die Stärkung der lokalen Küche und Kultur, Energieeffizienz, Abfallentsorgung und Nutzung von Kulturgütern. Alle drei Jahre werden die Ergebnisse auf der Basis aller Kriterien und Indikatoren evaluiert.

Besuchen Sie den Lysefjord

International anerkannter Standard

Im Jahr 2018 wurde Norwegens „Sustainable Destination Standard“ vom Global Sustainable Tourism Council (GSTC) ausgezeichnet. Das GSTC ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die globale Kriterien für Nachhaltigkeit in Reise und Tourismus entwickelt und festlegt. Weltweit haben seit 2018 nur die Selbstverpflichtungen von zehn Urlaubsregionen sowie [30 Hotels und Reiseveranstaltern](30 Hotels und Reiseveranstaltern) den GSTC-Status erhalten.

Der norwegische Standard umfasst 42 Kriterien, die durch 104 Indikatoren erfasst und überwacht werden. An erster Stelle stehen dabei der Schutz von Natur, Kultur und Umwelt, der Erhalt sozialer Werte und die Förderung gesellschaftlichen Engagements und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.

Zu jedem dieser fünf Beispielkriterien gehören Indikatoren, die festlegen, welche Maßnahmen zu ihrer Verwirklichung nötig sind. Beispielsweise beinhalten die Indikatoren für den "Schutz von Natur, Kultur und Umwelt" eine Erhebung der Besucherzahlen, die mit Flugzeug, Bus, Schiff, Fahrrad oder anderen Verkehrsmitteln anreisen.

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Förderung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

Norwegens Zertifizierungssystem für nachhaltige Reiseziele stehen mit folgenden UN-Zielen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung im Einklang:

Ziel 8: Nachhaltiges Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Arbeit fördern

Norwegens „Sustainable Destination Standard“ fördert ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum durch einen Maßnahmenkatalog für „grünen“ Tourismus.

Ziel 11: Städte und Gemeinden sicher und nachhaltig machen

Der Standard trägt durch Förderung traditioneller lokaler Strukturen zum Erhalt von Norwegens Weltkultur- und -naturerbe bei.

Ziel 12: Für verantwortungsbewusste/n Produktion und Konsum sorgen

Das Zertifizierungssystem dient als Kontrollinstrument der Tourismusentwicklung – auch in den Bereichen regionaler Arbeitsplatzentwicklung und Konsumgüterproduktion.

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Die folgenden Reiseziele wurden als nachhaltig eingestuft: Femund Engerdal, Geilo, Lærdal, Røros, Setesdal, die Goldene Route vom Trollstigen nach Geirange, die Region Lillehammer, die Region Lindesnes, die Region Lyngenfjord, die Region Lysefjord, der Svalbard-Archipel, Trysil und die Vega-Inseln.

Für weitere Informationen zum Zertifizierungssystem für nachhaltige Reiseziele wenden Sie sich bitte an Innovation Norway.