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Der Ozean: Norwegens wichtigste Einnahmequelle bleibt

Ozean
PUBLIZIERT AM MAI 08, 2019
LESEDAUER: 5 MINUTEN
VON THE EXPLORER

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Ozean
PUBLIZIERT AM MAI 08, 2019
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VON THE EXPLORER

Siebzig Prozent von Norwegens Einnahmen kommen aus dem Meer.

Norwegen hat sechsmal so viel Ozeanfläche wie Landfläche. Mehr als 200.000 Jobs sind hier verankert, von traditionellen Industrien wie Fischerei, Aquakultur und Schifffahrt bis hin zu anderen Zweigen wie Öl, Gas, erneuerbare Energien und Meeresbergbau. Zusammengefasst generieren diese Industrien jährlich Einnahmen von mehr als 51 Milliarden Euro.

Dies ist ein Überblick der spannendsten Entwicklungen in Fischerei, Aquakultur, Erdöl und Energie und Schiffahrt.

Hofseth Aqua

Stingray Seelaus-Station.

Fischerei und Aquakultur

Norwegen ist nach China der größte Exporteur von Meeresfrüchten weltweit. Im Jahr 2017 hat das Land 2,6 Tonnen Meerestiere an 140 Länder geliefert. Der Ertrag daraus betrug ca. 9,6 Milliarden Euro. Das waren 306.000 Euro mehr als 2016.

2018 sind die Meeresfrüchteexporte weiter gestiegen. Das liegt zum Teil an der erhöhten Nachfrage in den EU-Ländern, den USA und Asien, die es nach anderen Fischsorten als atlantischem Lachs verlangt. Im August 2018 verzeichnete Norwegen mit 178.000 Tonnen exportierter Meeresfrüchte zum Gesamtpreis von ca. 816 Millionen Euro einen neuen Monatsrekord.

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Selfa-Siemens

Hybrides Fischerboot von Selfa Arctic.

Norwegen ist weltweit für die verantwortungsvolle und nachhaltige Nutzung seiner Meeresressourcen bekannt. Die norwegische Expertise in diesem Bereich wird international stark angefragt und birgt somit Potenzial für neue Wertschöpfungsketten.

Das Land verfügt über einen großen Wissensschatz und beherbergt regionale wie nationale Industrienetzwerke. Diese Innovationsbrutstätten können durch die Erforschung neuer Meeresbioressourcen (z.B. Seetang und Mikroalgen) helfen, die Aquakulturindustrie der Zukunft zu formen.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Handel und Industrie, Unternehmen, der öffentlichen Verwaltung und der Forschungsgemeinschaft bereitet einen fruchtbaren Boden für Innovation und Wertschöpfungsprozesse. Der Bericht „Generierter Wert produktiver Ozeane im Jahr 2050“ (in Englisch) der Königlich Norwegischen Wissenschaftlichen Gesellschaft und der norwegischen Akademie der Technikwissenschaften schätzt, dass sich der Wert des Marinesektors (einschließlich traditioneller wie aufkommender Industrien) bis 2050 um das Sechsfache auf 56 Millionen Euro steigern wird.

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Norwegian Seafood Council.

Erdöl, Energie und der Meeresboden

Norwegen gehört zu den 20 größten Ölproduzenten der Welt und ist eines der Nicht-OPEC-Länder mit der größten Ölfördermenge pro Kopf. Norwegen ist zudem ein wichtiger Erdgasproduzent. Die Exporte des Landes decken rund ein Viertel des Erdgaskonsums der EU ab.

Die nächsten Jahrzehnte werden jedoch entscheidende Veränderungen in der globalen Energieversorgung mit sich bringen. Laut dem “Energiewende-Ausblick 2018” (in Englisch) wird die Nachfrage nach Öl im Jahr 2023 ihren Höhepunkt erreichen. Bis 2026 wird Erdgas die Hauptenergiequelle sein. Bis 2050 werden 50 Prozent des Energiemixes erneuerbare Energien sein, darunter Bioenergie, Sonnenenergie, Wasserkraft und Windkraft.

In Sachen erneuerbare Energien ist Norwegen die siebtgrößte Wasserkraftnation. Sonnenenergie ist bislang die erneuerbare Energiequelle mit dem schnellsten Wachstum. Auch sie kann aufs Meer verlagert werden. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Küstengebieten. Die schwimmende Solarinsel von Ocean Sun erzeugt grüne Energie nahe am Verbrauchsort.

Ocean Suns schwimmende Solarinsel.

Offshore-Windkraft ist ein weiterer wachsender Industriesektor in Norwegen, dessen Unternehmen die Expertise und Technologien der Öl- und Gasindustrie nutzen können. Equinor baute mit Hywind Scotland den weltweit ersten schwimmenden Offshore-Windpark. Und obwohl Norwegen keine landesweite Strategie für Offshore-Windenergie besitzt, kündigten Equinox und seine Partner von den Gullfaks- und Snorre-Ölfeldern an, den norwegischen Kontinentalschelf auf seine Eignung als Standort zu prüfen. Ein solcher Offshore-Windpark würde den Kohlendioxidausstoß der Felder um geschätzte 200.000 Tonnen pro Jahr reduzieren – das entspricht den Emissionen von 100.000 Autos.

Jan Arne Wold/Woldcom

Hywind Scotland/Equinor.

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Das Norwegian Petroleum Directorate bekam die Aufgabe, die Mineralvorkommen auf dem Meeresboden des norwegischen Kontinentalschelfs zu kartieren. Daraus könnte eine Tiefseebergbau-Industrie für die Gewinnung von Mangan, Metallsulfiden und Lithium entstehen – alles Stoffe, die für die Produktion von Smartphones, Windanlagen, Batterien von Elektroautos und Elektrogeräten unerlässlich sind. Auch hier wird sich Norwegens Erfahrung in der Offshore-Öl- und Gasindustrie bezahlt machen und dem Land einzigartige Vorteile verschaffen.

Schifffahrt und Seebeförderung

Norwegen ist eine Meeresnation, für die die Schifffahrt immer ein wichtiger Industriezweig bleiben wird. Die Transportwege des Meeres sind eine nachhaltige Alternative für die Güterbeförderung über kurze wie lange Strecken.

Norwegen ist einer der Weltmarktführer im Bereich grüner Innovationen für die Küstenschifffahrt. Zum großen Teil wurden diese Entwicklungen durch klare Richtlinien seitens der Regierung und strenge Anforderungen an Auftragsvergaben vorangetrieben.

Das Green Shipping Programme ist das Ergebnis einer öffentlich-privaten Partnerschaft und ein effektives Instrument zur Implementierung der landesweiten Meeres- und Hafenstrategien der Regierung. Ziel des Programms ist die Gründung der weltweit effizientesten und umweltfreundlichsten Küstenflotte. Ihre Schiffe sollen komplett oder teilweise mit Batterien, Flüssigerdgas oder anderen umweltfreundlichen Kraftstoffen laufen.

Norwegen hat bereits die Verträge für 30 bis 40 batteriebetriebene Fähren unterschrieben und plant zusätzlich rund 204 Millionen Euro in Batterie- und Ladesysteme zu investieren.

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Zu den spannendsten Projekten des Green Shipping Programms zählt die Yara Birkeland. Sie soll das erste komplett autonome, vollelektrische Containerschiff der Welt werden. Die Umstellung soll in Stufen erfolgen. Die gewerbliche Inbetriebnahme ist für 2020 geplant. Diese Maßnahme soll die Betriebskosten um bis zu 90 Prozent senken.

In ganz Norwegen werden Innovationen im Bereich der grünen Schifffahrt umgesetzt. Verfolgen Sie die Entwicklungen auf The Explorer

Yara Birkeland, das autonome emissionsfreie Containerschiff.

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Internationale Führungsrolle

Norwegen ist internationaler Vorreiter für den Erhalt der Gesundheit des Ozeans bei gleichzeitig nachhaltiger Nutzung seiner Ressourcen. Ministerpräsidentin Erna Solberg ist Vize-Vorsitzende des High Level Panel for a Sustainable Ocean Economy (Ausschuss für die nachhaltige Bewirtschaftung des Ozeans). Norwegen ist zudem eines der Teilnehmerländer, die maßgeblich an der Entwicklung der UN Global Compact Action Platform for Sustainable Ocean Business (UN Global Compact-Aktionsplattform für nachhaltige Geschäftstätigkeit im Ozean) beteiligt sind.