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Neue Technologien für eine effizientere Lebensmittelproduktion in Norwegen

Lebensmittelproduktion
PUBLIZIERT AM MAI 07, 2019
LESEDAUER: 5 MINUTEN
VON THE EXPLORER

Techno farmers are leading the way

Lebensmittelproduktion
PUBLIZIERT AM MAI 07, 2019
LESEDAUER: 5 MINUTEN
VON THE EXPLORER

Es führt kein Weg daran vorbei: Die Lebensmittelproduktion muss nachhaltig werden. Norwegen ist bemüht, seinen Teil mit Hilfe bahnbrechender Technologien und einer effizienteren Verwendung von Rohstoffen dazu beizutragen.

Laut einem aktuellen Bericht der UN aus dem Jahr 2017 geht jeder neunte Mensch weltweit hungrig ins Bett, einer von drei leidet unter Mangelernährung. Gleichzeitig sind die Ressourcen unseres Planeten begrenzt und einem steigenden Druck ausgesetzt. Es ist mehr als klar, dass die Welt effiziente und nachhaltige Systeme für die Nahrungsmittelproduktion braucht. Dazu sind neue Technologien, eine effizientere Ressourcennutzung und verantwortbare wie nachhaltige Wertschöpfungsketten notwendig.

Norwegen ist bereits dabei, ein nachhaltiges System für die Lebensmittelproduktion einzurichten. Die Regierung brachte die Initiative Food Nation Norway (siehe unten) an den Start. Auch Unternehmen entwickeln innovative Lösungen wie Frischeindikatoren für Lebensmittelverpackungen oder Roboter zum Einsatz in der Landwirtschaft.

Dies ist ein Überblick der spannendsten aktuellen Entwicklungen in der norwegischen Lebensmittelindustrie.

7Sense Bewässerungssensoren.

„Techno-Farmer“ gehen voran

Lebensmittelherstellern kommt eine wichtige Rolle bei der Erfüllung der Bedingungen des Pariser Abkommens zu. Innovationen und neue Technologien werden für norwegische Produzenten bei der Verringerung der Emissionen unerlässlich sein. Das Land verfügt bereits über einen der modernsten und hochtechnisiertesten Lebensmittelsektoren weltweit. Digitalisierung ist hier kein Fremdwort mehr.

Die landbasierte Lebensmittelproduktion hat sich in Norwegen seit 1960 nahezu verdoppelt. Der Arbeitskräfteeinsatz ist jedoch um 35 Prozent geringer als im Jahr 2000. Ursache dafür ist die Verwendung fortschrittlicher Technologien. Norwegische Milchbauern sind zum Beispiel führend in der Nutzung von Melkrobotern. Der Einsatz von Technologien birgt für Landwirte viele Vorteile. Sie fördern das Tierwohl und sorgen für höhere Erträge, sind aus umwelttechnischer Sicht vernünftig und sparen zudem Zeit und Geld. Außerdem zieht die Modernisierung auch wieder mehr junge Leute in die Landwirtschaft.

Eine Reihe innovativer Start-Ups helfen, die traditionelle Landwirtschaft Norwegens zu modernisieren. Dazu gehört das Unternehmen N2 Applied. Seine stationären Systeme ermöglichen es Bauern, ihren Dünger auf ihren eigenen Höfen zu produzieren – mit Hilfe von Viehdung und erneuerbaren Energien. Soil Steam International entwickelte eine Maschine, die den Boden mit Dampf von Pilzen, Unkraut, Samen und Fadenwürmern reinigt. Pestizide sind dazu nicht nötig. Nofence hat das weltweit erste virtuelle Zaunsystem für Weidetiere entwickelt. Saga Robotics erfand Thorvald, einen Landwirtschaftsroboter, der auf dem Feld eine Vielzahl an Aufgaben selbstständig ausführen kann. Und schließlich gibt es noch 7Sense. Die Firma entwickelte Sensoren für die Bewässerungsindustrie, die Wasserverluste reduzieren sollen. Die Innovation wird sowohl von politischer als auch von industrieller Seite vorangetrieben.

Autonome Landwirtschaftsroboter von Saga Robotics.

Meerestechnik zur Nutzung von Rohstoffen

Norwegen ist weltweit für die verantwortungsvolle und nachhaltige Nutzung seiner Meeresressourcen bekannt. Die norwegische Expertise in diesem Bereich wird international stark angefragt und birgt somit Potenzial für neue Wertschöpfungsketten. Unternehmen, Verbände, die Regierung und die Forschungsgemeinschaft arbeiten bei der Entwicklung innovativer, nachhaltiger Lösungen zur Nutzung der Meeresressourcen eng zusammen.

Nichtsdestotrotz muss noch weiter geforscht werden, um die optimale Verarbeitung und volle Ausschöpfung der Rohstoffe in der Meeresfrüchteindustrie gewährleisten zu können. Aktuell werden etwa 80 Prozent der Fische aus Aquakultur in Norwegen unverarbeitet exportiert. Die verbleibenden Rohstoffe der Industrie sollten ebenfalls ausgeschöpft werden – für die Umwelt und für eine gesteigerte Wertschöpfung.

Um eine effiziente Ressourcennutzung gewährleisten zu können, müssen neue Wege zur vollen Ausschöpfung der Rohstoffe gefunden werden. Statt Nährstoffe, Inputfaktoren, Mineralien und Metalle einfach wegzuschmeißen, sollten sie wiederverwendet und recycelt werden. Unternehmen und Forscher haben ihre Kreativität auf dem Gebiet erprobt. Marealis nahm Schrimpschalen zur Herstellung des Wirkstoffs Marealis RSPC, der den Blutdruck reguliert. Norilia bediente sich des Fachwissens der fischverarbeitenden Industrie, um ein leistungsstarkes Protein aus Restmaterial der Geflügelindustrie herzustellen.

Arve Ullebø

Landbasierte Glitne-Heilbutt-Farm.

Verantwortungsbewusste Konsumenten nehmen Einfluss auf die Lebensmittelindustrie

Das öffentliche Engagement für mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion ist enorm. Transparenz und Rückverfolgbarkeit werden in der Industrie unerlässlich sein. Ein Tool, das dabei helfen kann, ist die Blockchain-Technologie. Sie kann zur Dokumentation der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt werden. Sie kann aufzeigen, woher ein Lebensmittel kommt, wann es geerntet oder aus dem Meer gefischt wurde – den ganzen Prozess, bis hin zu dem Tag, an dem es auf einem Teller serviert wird oder auf dem Tisch des Konsumenten landet. Diese Geschichten werden für den Aktionsplan „Food Nation Norway“ von Wert sein.

Die Verringerung von Lebensmittelabfällen ist eine weitere wichtige Charakteristik einer nachhaltigen Lebensmittelindustrie. Norwegische Unternehmen versuchen, ihren Teil dazu beizutragen. KeepIt Technologies entwarf einen Indikator für Lebensmittelverpackungen, der die Temperatur überwacht und die verbleibende Haltbarkeit anzeigt. Die Start-Up-Unternehmen TotalCtrl und Foodlist verfolgen einen etwas anderen Ansatz. Sie gestalteten Apps, mit denen Händler und Restaurants einen besseren Überblick über ihr Inventar behalten. Jede dieser Technologien kann zudem dabei helfen, Umsätze zu steigern und die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen.

TotalCtrl-App zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen.

Food Nation Norway

Food Nation Norway steht für eine Vielzahl politischer Rahmenbedingungen, die Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten für sichere und gesunde norwegische Lebensmittel den Weg freimachen sollen. Die Regierung fordert Lebensmittelindustrie, Verbände und Einzelpersonen dazu auf, sich einem Aktionsplan zu verpflichten, der die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Fischen in den Mittelpunkt stellt und zudem fordert, dass die Qualität der gesamten Lebensmittelkette dokumentiert wird. Bis 2030 möchte die Initiative unter anderem eine nachhaltige Produktion und Nutzung von Lebensmitteln erreicht haben, außergewöhnliche Genusserlebnisse bieten und gemäß nationaler und internationaler Vereinbarungen weniger Lebensmittelabfälle produziert haben.

Per Kvalvik/Hanen

Preisgekrönter Käse von Kraftkar.