Login

Norwegen: Eine Batterie-Supermacht?

24. September, 2020
VON The Explorer

Beyonder

Mit einer Fülle an sauberer Energie, einer erstklassigen Prozessindustrie und einem konkurrenzlosen Zugang zu gebrauchten Batterien von Elektroautos ebnet Norwegen den Weg zu einer umweltfreundlichen Batterieproduktion in Europa.

Batterien sind der Schlüssel zur Reduzierung von Emissionen im Bereich Transport und Industrie. Sowohl im European Green Deal als auch im EU-Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft wird die Notwendigkeit unterstrichen, eine nachhaltige Wertschöpfungskette für Batterien in Europa aufzubauen. Mit Unmengen an sauberer Energie, einer erstklassigen Prozessindustrie und einem konkurrenzlosen Zugang zu gebrauchten Batterien aus Elektroautos entwickelt Norwegen eine der umweltfreundlichsten Batterieproduktionen in Europa.

„Derzeit ist Asien führend in der Entwicklung und Produktion von Batterien. Wenn wir wollen, dass die europäische Autoindustrie sowohl wettbewerbsfähig als auch nachhaltig bleibt, brauchen wir eine unabhängige Batterieproduktion“, sagt Lars Petter Maltby, Leiter des Innovationszentrums des EYDE-Clusters.

Das Cluster ist das Norwegische Kompetenzzentrum für nachhaltige Prozessindustrie (Norwegian Centre of Expertise for Sustainable Process Industry) – ein Vorreiter beim Aufbau einer nachhaltigen Wertschöpfungskette für Batterien in Norwegen. Mitglieder sind multinationale Unternehmen, regionale Lieferanten und Forschungs- und Bildungseinrichtungen, unter ihnen Branchenschwergewichte wie Elkem, Eramet Norway, Glencore Nikkelverk, Norsk Hydro und REC.

Die Bemühungen des Clusters haben nun einen großen Schub erhalten: Die Gründung von Norwegens erster vollwertiger Batteriefabrik, Morrow Batteries, wurde im Mai 2020 angekündigt. „Dieser Schritt wird das Batterie-Ökosystem in Norwegen erheblich stärken“, so Maltby.

Heimat einer erstklassigen Prozessindustrie

Maltby ist überzeugt, dass Norwegen eine wichtige Rolle in einer europäischen Batterie-Wertschöpfungskette spielen kann.

"In Norwegen werden nahezu alle Materialien mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt. Deshalb haben norwegische Produkte einen ausgesprochen geringen ökologischen Fußabdruck.”

Lars Petter Maltby, CEO, EYDE Innovation Centre

Außerdem produziere die norwegische Industrie erhebliche Mengen an Aluminium und Silizium – neben der Raffination von Nickel, Kobalt, Grafit und Kupfer wichtige Materialien für die Batterieproduktion.

„Wir produzieren bereits viele Materialien für Lithium-Ionen-Batterien. Norwegische Unternehmen sind auf die Lieferung hochwertiger Materialien spezialisiert, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen müssen. Dies hat zu einer hohen Konzentration von Wissen und Können in der Materialverarbeitung in der norwegischen Industrie geführt“, erklärt Maltby.

Für Manganlegierungen verwendet Eramet Norway eines der weltweit saubersten Produktionsverfahren.

Chancen für Wachstum

Nora Rosenberg Grobæk, Leiterin des Büros der Investitions- und Wirtschaftsförderagentur Invest in Norway in der Region Agder und zuständig für den Aufbau einer Wertschöpfungskette im Batteriebereich, glaubt, dass der norwegischen Batterieindustrie ein astronomisches Wachstum bevorsteht.

„Die Europäische Investitionsbank (EIB) erwartet für dieses Jahr Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro. Wir sehen hier in Norwegen viel Aktivität und Interesse, auch von ausländischen Investoren und Kunden. Das nachhaltige Profil Norwegens und unser reifer Markt für Elektrofahrzeuge und Elektrifizierung im Allgemeinen sind in diesem Zusammenhang wichtige Verkaufsargumente.“

Die größten Chancen in Bezug auf Wachstum und Investitionen sieht Grobæk in folgenden Bereichen:

„Norwegen verfügt über eine weltweit führenden Prozessindustrie, das heißt, es gibt ein großes Potenzial für Herstellung und Aufarbeitung der in der Batterieproduktion benötigten Grundstoffe. Dementsprechend ist ein hohes Maß an Kompetenz und Fachwissen vorhanden. Darüber hinaus sind die norwegischen Industriearbeiter_innen dafür bekannt, sowohl innovativ als auch effizient zu arbeiten und qualitativ hochwertige Produkte zu liefern.“

„Zudem gibt es in Norwegen zahlreiche Möglichkeiten, Stätten zur Entwicklung und Produktion von Batteriezellen zu etablieren. Aufstrebende Unternehmen wie Freyr und Beyonder sowie die neu gegründeten Morrow Batteries zeigen, wie es geht. Außerdem sollte man die technologische Seite der Dinge nicht außer Acht lassen: Norwegen ist die Wiege der Entwicklung autonomer Schiffe und des erneuerbaren Seeverkehrs. Und schließlich denke ich, dass das Recycling und die Wiederverwendung von Batterien in Norwegen ein großes industrielles Potenzial haben.“

Das Mechatronics Innovation Lab ist auf Pilotversuche und auf die Qualifizierung der Mechatronik-Technologie für die Fertigungs- und Materialprozessindustrie spezialisiert.

Pioniere der Kreislaufwirtschaft

Besonders hervorzuheben ist das von Nora Rosenberg Grobæk angesprochene Recycling von Batterien. Betrachtet man die Nachhaltigkeit von Batterien, spielt die Lebensdauer eine ebenso wichtige Rolle wie die Produktionsmethode. Wie die EU-Kommission in ihrem European Green Deal verlangt, muss die Batterieproduktion in eine Kreislaufwirtschaft integriert sein: Die Batterien von heute müssen als Basis zur Herstellung der Batterien von morgen verwendet werden.

Das Recycling von Batterien ist jedoch eine herausfordernde Aufgabe. Lars Petter Maltby vom EYDE-Cluster erklärt:

„Das Extrahieren und Wiederverwenden von Materialien aus Batterien, die in Elektroautos verwendet wurden, ist ein technisch komplizierter Prozess. Das heißt nicht, dass es unmöglich ist – wir sehen bereits ein umfassendes Recycling von Lithium-Ionen-Batterien. Aber wir müssen wir Methoden verfeinern, um den Prozess kostengünstiger zu gestalten.“

Maltby kann in dieser Hinsicht bereits auf vielversprechende Entwicklungen verweisen.

„Wenn die Batterien das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, gibt es ein großes Recycling-Potenzial, um verschiedene Materialien wiederzugewinnen. Genau darum geht es bei LIBRES, einem internationalen Projekt, an dem Norwegen maßgeblich beteiligt ist. Hier arbeiten die norwegische Industrie unter Leitung des norwegischen Aluminiumherstellers Norsk Hydro und norwegische und deutsche Forschungseinrichtungen eng zusammen. Das BATMAN-Projekt, das 2019 unter dem Dach des EYDE-Clusters gegründet wurde, analysiert den Materialfluss der Batterieherstellung und untersucht, wie die Rohstoffe in der Wertschöpfungskette wiederverwendet werden können.“

Dieses Projekt soll norwegische Unternehmen in Bezug auf Batterie-Entwicklung und -Recycling an die Spitze bringen. Am 30. Juni 2020 wurde dazu die Plattform Battery Norway ins Leben gerufen – eine nationale Plattform für industrielle Zusammenarbeit, die sich auf Innovation und nachhaltige Wertschöpfungsmöglichkeiten konzentriert und das gesamte Batterie-Ökosystem umfasst.

Norsk Hydro produziert kohlenstoffarmes Aluminium – ein wichtiges Material für die Batterieproduktion.

Ein europäischer Ausblick

Obwohl Norwegen kein EU-Mitgliedstaat ist, ist das Land durch das EWR-Abkommen vollständig in die EU-Wirtschaft integriert. Für Norwegen gilt ebenso wie für die EU-Mitgliedsländer der freie Verkehr von Waren, Kapital, Technologie und Personal innerhalb der EU, sodass die norwegische Industrie direkt Teil einer europäischen Wertschöpfungskette für die Batterieherstellung sein kann.

Diese Chance will Lars Petter Maltby unbedingt nutzen. Mit dem weltweit höchsten Anteil an Elektrofahrzeugen könnte Norwegen seine Rolle als Labor für die Herstellung von recyclebaren Batterien ausbauen.

„Die Tatsache, dass wir einfachen Zugang zu einer großen Menge gebrauchter Autobatterien haben, macht Norwegen zu einem einzigartigen Ort, um Technologien und Geschäftsmodelle für das Batterierecycling zu entwickeln.“

Momentan gebe es noch einige regulatorische Probleme, die behoben werden müssten, insbesondere in Bezug auf Lagerung, Transport und Verarbeitung alter Batterien. Doch Maltby ist zuversichtlich, dass die norwegische Industrie diese Aufgaben meistert, denn er weiß, was im EYDE-Cluster als nächstes zu tun ist:

„Wir müssen die Zusammenarbeit innerhalb der norwegischen Prozessindustrie weiter verstärken. Hier besteht eine gewisse Dringlichkeit – wir haben ein einzigartiges Zeitfenster, aber es bleibt nicht ewig offen.“

Möchten Sie mehr über die wachsende norwegische Batterieindustrie erfahren?

Get in touch

Nora Rosenberg Grobæk
Sonderberater, Invest in Norwegen
+47 943 55 964