Login

Norwegen spielt eine wichtige Rolle bei der Deckung des weltweiten Bedarfs an grünem Wasserstoff

8. Juli, 2021
VON The Explorer
REFHYNE_facility_cropped.jpg

REFHYNE-Anlage in Wesseling, Deutschland/Refhyne.eu

Der Druck, das Wachstum der Emissionen zu reduzieren, nimmt zu, und der Einsatz von Wasserstoff für Antriebstechniken im Bereich Mobilität gewinnt an Dynamik. Das lässt die Nachfrage nach grünem Wasserstoff in die Höhe schnellen. Norwegen spielt eine führende Rolle bei der Produktion von grünem Wasserstoff, den die Welt benötigt.

Die Welt ist hungrig nach Wasserstoff. Jedes Jahr werden weltweit 87 Millionen Tonnen für die Kraftstoffindustrie produziert. Insbesondere wächst die Nachfrage nach Wasserstoff als emissionsfreier Energieträger im Verkehr, da viele Länder die Umsetzung des Pariser Abkommens in Angriff genommen haben.

Gegenwärtig besteht das Angebot an Wasserstoff zu fast 95 Prozent aus grauem Wasserstoff, der in kohlenstoffintensiven Prozessen unter Verwendung fossiler Brennstoffe wie Erdgas, Methan und Kohle hergestellt wird. Lediglich fünf Prozent werden mit Strom aus erneuerbarer Energie produziert, der als grüner Wasserstoff bezeichnet wird. Das Problem: Bisher kostet die Herstellung von grünem Wasserstoff fast doppelt so viel wie die Herstellung grauen Wasserstoffs.

Experten sagen jedoch voraus, dass sich die Kosten innerhalb dieses Jahrzehnts umkehren werden, da die Produktion von grünem Wasserstoff entsprechend der Nachfrage steigt und die Kosten für erneuerbaren Strom sinken. Norwegen wird eine Schlüsselrolle in dieser Entwicklung spielen.

Grüner Wasserstoff: Norwegens reiche Geschichte

„Norwegen hat tatsächlich eine sehr lange Wasserstoff-Geschichte, und das Unternehmen Nel war von Anfang an dabei“, sagt Thorsten Herbert, Direktor für Marktentwicklung und Public Affairs bei Nel ASA, einem der ältesten Wasserstoff-Unternehmen der Welt.

1927 als Teil von Norsk Hydro im norwegischen Notodden gegründet, errichtete das Unternehmen bereits 1940 in der nahegelegenen Stadt Rjukan die weltweit größte Elektrolyseanlage, in der die Wasserkraft eines örtlichen Staudamms genutzt wurde, um grünen Wasserstoff für die Düngemittelproduktion herzustellen. Aber billiges Erdgas ersetzte in den 1950er Jahren den grünen Wasserstoff durch grauen Wasserstoff. Grauer Wasserstoff dominierte das Geschehen über Jahrzehnte. Das könne sich nun ändern, sagt Herbert.

TE_Stories_Hydrogen_Production_Nel_Thorsten-Herbert.jpg

Thorsten Herbert

Direktor für Marktentwicklung und Public Affairs

Nel

„Wir befinden uns definitiv in einer interessanten Phase. Da die CO2-Steuern weiter steigen und die Gesamtbetriebskosten von grünem Wasserstoff sinken, ändert sich die Balance wieder zugunsten des grünen Wasserstoffs.“

2017 übernahm Nel das Unternehmen Proton OnSite und avancierte damit zum größten Elektrolyseur-Unternehmen der Welt. Nun nutzt der norwegische Hydrogen-Spezialist seine Größe und Expertise vor allem zur Senkung der Kosten. „Nel baut gegenwärtig hier in Norwegen eine große Elektrolyseur-Fertigungsanlage mit einer potenziellen Kapazität von bis zu zwei GW“, sagt Herbert. „Nach Inbetriebnahme wird die vollautomatische Anlage das Zehnfache der aktuellen Jahresproduktion von Nel produzieren und damit die effizienteste Elektrolyse auf dem Markt zu bahnbrechenden Kosten realisieren.“

TE_Stories_Hydrogen_Production_image 2_Nel_cropped.jpg

Nel ist der größte Elektrolyseur-Hersteller der Welt.

Nel ASA

Ein neuer Rekord im Bereich Wasserstoff

Ein weiteres Wasserstoff-Schwergewicht in Norwegen ist das Forschungsinstitut SINTEF. SINTEF ist eine der größten unabhängigen Forschungsorganisationen Europas mit Hauptsitz in Trondheim. Das Forschungsinstitut verfügt über mehr als 70 Jahre Erfahrung in der angewandten Forschung und realisiert jährlich mehrere tausend Projekte für Kunden jeder Größenordnung. Die Wasserstoffexpertise von SINTEF ist zunehmend gefragt. „In Norwegen gibt es gegenwärtig einen großen Schub zum Einsatz von Wasserstoff im maritimen Sektor. Wir unterstützen viele Projekte, darunter ein Infrastrukturprojekt im Geirangerfjord, wo Norwegian Hydrogen plant, bereits 2022 lokal Wasserstoff für Wasserstoff-Lkw und -Fähren zu produzieren“, sagt Anders Ødegård, Senior Project Manager bei SINTEF.

Die Forscher von SINTEF haben sich mit ihrer Wasserstoffkompetenz, dokumentiert in zahlreichen maßgeblichen Publikationen und zukunftsweisenden Projekten, eine starke Position in Europa erarbeitet. Ein solches Projekt, erklärt Ødegård, stehe kurz davor, einen europäischen Rekord aufzustellen.

TE_Stories_Hydrogen_Production_SINTEF_Anders.jpg

Anders Ødegård

Senior Projektmanager

SINTEF

„SINTEF koordiniert gegenwärtig die Umsetzung des Demonstrationsprojekts REFHYNE, das der Bau von Europas größtem Wasserstoffelektrolyseurs mit Polymerelektrolytmembran (PEM) beinhaltet.“

Der von ITM Power gebaute PEM-Elektrolyseur wird der größte seiner Art sein, der im industriellen Maßstab zum Einsatz kommt. Finanziert wird das REFHYNE-Projekt aus EU-Mitteln und aus Mitteln eines Konsortiums, dem die Unternehmen Shell, ITM Power, SINTEF, thinkstep und Element Energy angehören. Das REFHYNE-Projekt wird die Machbarkeit für die Einführung in anderen Industriebetrieben untersuchen und potenziell einen Schritt in Richtung der Zukunft der Raffination darstellen und die möglichen technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile der Technologie ermitteln.

Die REFHYNE-Anlage in Wesseling, Deutschland, hat am 2. Juli 2021 ihre Produktion aufgenommen. Der Elektrolyseur hat eine Spitzenleistung von 10 MW (Megawatt) und ist in der Lage, ungefähr 1.300 Tonnen Wasserstoff pro Jahr zu produzieren.

TE_Stories_Hydrogen_Production_image 3_Refhyne_cropped.jpg

Die Bauarbeiten am europaweit größten PEM-Elektrolyseur in der Shell Rheinland Raffinerie in Wesseling, Deutschland, laufen auf Hochtouren.

©Shell Deutschland Öl

Aufbau einer integrierten und intelligenten Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff

Während die umfangreiche Erfahrung von Akteuren wie Nel und SINTEF für die Schaffung einer funktionierenden grünen Wasserstoffwirtschaft von unschätzbarem Wert ist, werden auch neue Ansätze benötigt. 2019 wurde in Horten, Norwegen, Gen2 Energy gegründet. Das schnell gewachsene Unternehmen will Europa mit grünem Wasserstoff versorgen.

TE_Stories_Hydrogen_Production_Gen2Energy_Lorentsen.jpg

Dr. Odd-Arne Lorentsen

CTO

Gen2 Energy

„Wenn es um Wasserstoff geht, entwickeln sich die Dinge sehr dynamisch. Als junges Unternehmen sind wir viel agiler und können in einem sich schnell verändernden Markt rasch Entscheidungen treffen.“

Während die meisten Unternehmen ein einzelnes Problem lösen wollen, setzt Gen2 Energy auf einen ganzheitlichen Ansatz und geht alle Bereiche an, um eine integrierte Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff zu entwickeln, aufzubauen, zu besitzen und zu betreiben.

Gen2 Energy sucht derzeit nach Standorten mit optimalen Produktionsbedingungen und Kapazitäten für die Verschiffung, an denen Elektrolyseure aufgestellt werden können, um mit der Produktion von Wasserstoff zu beginnen. In der neuen Anlage wird der Wasserstoff komprimiert und als Plug-and-Play-Dienst in Containern zu den Verbrauchern transportiert. Mit intelligentem Tracking und Monitoring werden die Kunden benachrichtigt, wenn der Wasserstoffvorrat in den Containern zur Neige geht. Sobald die Behälter leer sind, werden sie zwecks Wiederbefüllung zur Produktionsstätte zurückgebracht. “Wir haben die gesamte Wertschöpfungskette durchdacht, und das ist ein wirkliches Asset für die Entwicklung des Wasserstoffs“, betont Dr. Lorentsen.

Von Wasserstoffdrohnen bis zu Wasserstoffkraftwerken

Experten sind sich einig, dass die Nachfrage nach grünem Wasserstoff rasant zunehmen wird. „Es gibt wohl kaum einen Bereich, in dem grüner Wasserstoff nicht nutzbringend eingesetzt werden kann“, sagt Ødegård. „Das Angebot reicht von winzigen Drohnen bis hin zu Megawatt-Kraftwerken.“

Welche Wasserstoffanwendungen auch immer umgesetzt werden – etablierte Wasserstoffakteure wie Nel und SINTEF sind gut aufgestellt, um die Entwicklung anzuführen. Und Neulinge wie Gen2 Energy sind agil genug, um die Turbulenzen, die mit Sicherheit entstehen werden, schnell zu bewältigen.

Ob alt oder jung, der Schlüssel zum Erfolg in diesem wachsenden Markt liegt in der Reduzierung der Kosten zur Herstellung von Wasserstoff. Und hierfür hat Norwegen die besten Bedingungen.

„Um grünen Wasserstoff herzustellen, braucht man nur Wasser und emissionsfreien Strom“, sagt Dr. Lorentsen.

„Unbegrenzte Mengen an reinem Wasser sind in Norwegen vorhanden und im Wesentlichen kostenlos einzusetzen. Strom in Norwegen entsteht zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie. Zudem hat das Land die günstigsten Strompreise in Europa.“

Möchten Sie mehr über die Geschäftsmöglichkeiten mit Wasserstoff in Norwegen erfahren? Nehmen Sie noch heute Kontakt mit Innovation Norway auf!

Get in touch

Gerda Geyer_cropped.jpg
Gerda Geyer
Senior Advisor, Innovation Norway